Blau – Warum man „blaumacht“
Vor dem Indigo kam das Blau in Europa aus dem Färberwaid. Die Blätter wurden zerstampft, vergoren und mit altem Urin angesetzt – erst in diesem Bad wurde der Farbstoff wasserlöslich.
Aus dem Bad kam der Stoff gelblich-grün heraus. Erst an der Luft oxidierte das Waid und das Blau erschien – die Färber hatten währenddessen nichts zu tun: Sie „machten blau“.
Rot – Die Laus, die Könige kleidete
Das leuchtendste Rot der frühen Neuzeit kam aus der Cochenille-Schildlaus, die auf Kakteen in Mexiko lebt. Für ein Kilo Farbstoff brauchte es rund 140.000 Tiere.
Die Spanier hielten die Herkunft jahrzehntelang geheim – bis Mikroskope verrieten, dass das „Korn“ ein Insekt war. Günstiger war das Krapprot aus der Wurzel der Färberröte.
Schwarz – Das teuerste Schwarz
Ein tiefes, lichtechtes Schwarz war lange schwer zu färben: Es brauchte mehrere Bäder mit Eisensalzen und Galläpfeln oder Blauholz, oft über Blau oder Braun.
Deshalb galt ein sattes Schwarz als Zeichen von Wohlstand – die Tracht reicher Kaufleute und Hofbeamter war nicht grau, sondern teuer schwarz.
Gelb – Wau, Safran und Kurkuma
Das klassische Färbergelb Europas kam aus der Reseda, dem Wau – eine unscheinbare Pflanze, die auf Schutthalden wuchs.
Safran und Kurkuma färbten strahlender, waren aber kostbar oder wenig lichtecht. Erst mit synthetischen Farbstoffen wurde ein dauerhaftes Gelb bezahlbar.
Grün – Die Farbe, die es nicht gab
Es gibt kaum natürliche Grünfärber. Das berühmte „Lincoln Green“ der englischen Bogenschützen entstand aus zwei Bädern: erst Blau aus Waid, dann Gelb aus Wau.
Im 19. Jahrhundert kam ein strahlendes Grün auf Arsenbasis in Mode – schön, aber giftig. Heute ist Grün eine der zuverlässigsten Textilfarben.
Himmelblau – Aus dem kurzen Bad
Ein helles Himmelblau entstand in der Indigoküpe, wenn der Stoff nur kurz oder wenige Male getaucht wurde – jeder weitere Tauchgang machte das Blau dunkler.
So ließ sich aus demselben Bad eine ganze Reihe von Blautönen färben, vom zarten Himmelblau bis zum tiefen Marineblau.
Türkis – Der Stein aus der Türkei
Türkis heißt nach dem gleichnamigen Edelstein, der über türkische Händler nach Europa kam – daher „pierre turquoise“, der türkische Stein.
Als Textilfarbe ist Türkis ein Kind des 20. Jahrhunderts: Erst synthetische Farbstoffe treffen den Ton zwischen Blau und Grün dauerhaft.
Silber – Grau wie die Wolle
Helle Grautöne waren lange keine Färbung, sondern die natürliche Farbe gemischter Wolle – weiße und dunkle Fasern zusammen versponnen.
Erst als gleichmäßiges Färben möglich wurde, bekam das Grau einen eigenen Namen: Silber, Hellgrau, Mausgrau.
Weiß – Die Bleichwiesen
Reines Weiß war Arbeit: Leinen und Baumwolle wurden auf Bleichwiesen ausgelegt, befeuchtet und wochenlang von der Sonne gebleicht.
Mit der Chlorbleiche ab Ende des 18. Jahrhunderts schrumpften Wochen auf Stunden – und Weiß wurde zur Alltagsfarbe.
Orange – Erst die Frucht, dann die Farbe
Das Wort „Orange“ kam mit der Frucht über Arabisch und Spanisch nach Europa. Vorher nannte man die Farbe schlicht Gelbrot.
Gefärbt wurde Orange früh mit Safflor oder Krapp über Gelb – lichtecht wurde es erst mit modernen Farbstoffen.
Lila – Ein Zufall im Labor
1856 wollte der 18-jährige William Perkin künstliches Chinin herstellen und fand dabei einen violetten Rückstand: Mauvein, den ersten synthetischen Farbstoff.
Lila wurde zur Modefarbe des viktorianischen England – und der Beginn der chemischen Farbenindustrie.
Beige – Die ungefärbte Wolle
„Beige“ ist französisch und bezeichnete ursprünglich Wolle in ihrem Naturton – weder gebleicht noch gefärbt.
Erst im 19. Jahrhundert wurde daraus ein eigener Farbname für den warmen, sandigen Ton.
Military – Vom Feldgrau zum Olivton
Bunte Uniformen verschwanden Anfang des 20. Jahrhunderts von den Schlachtfeldern: Erdtöne wie Khaki, Feldgrau und Olivgrün tarnten besser.
Aus der Tarnfarbe wurde nach den Kriegen Alltagsmode – der Parka und der Military-Look leben davon bis heute.
Petrol – Der Schimmer des Erdöls
Petrol heißt die Farbe nach dem blaugrünen Schimmer, den rohes Erdöl auf Wasser zeigt.
Als Textilfarbe liegt Petrol zwischen Blau und Grün und wirkt auf hellen wie dunklen Hauttönen – deshalb ist es seit den 1970er-Jahren ein Dauerbrenner.
Bordeaux – Die Farbe des Weins
Bordeaux ist nach dem dunkelroten Wein aus der französischen Region benannt – ein Rot mit viel Blau, fast Violett.
In der Mode steht Bordeaux seit dem 19. Jahrhundert für Eleganz ohne Lautstärke.
Rosa – Früher eine Jungenfarbe
Bis ins frühe 20. Jahrhundert galt Rosa als das „kleine Rot“ – kräftig und männlich, passend für Jungen; Blau war die zarte Mädchenfarbe.
Die Umkehr kam erst in den 1940er-Jahren mit der Mode- und Werbewelt.
Grau – Die Farbe der Arbeit
Grau war die Farbe der Mönche, Handwerker und Arbeiter – ungefärbt oder mit dem günstigen Eisensalz gefärbt.
Im 20. Jahrhundert wurde der graue Anzug zum Symbol der Bürowelt, und heute ist Grau die neutrale Basis fast jeder Kollektion.
Marineblau – Navy Blue
1748 legte die britische Royal Navy ein dunkles Blau als Uniformfarbe fest – lichtecht aus Indigo und auf See gut zu pflegen.
Daraus wurde „Navy Blue“, das Marineblau, und mit ihm die Matrosenmode für Kinder und Erwachsene.
Braun – Walnuss und Eichenrinde
Braun färbte man mit dem, was der Wald hergab: grüne Walnussschalen, Eichenrinde, Erlenzapfen.
Es war die Farbe der Bauern und Mönche – günstig, dauerhaft und unauffällig.
Mintgrün – Die Frische der Nachkriegszeit
Mintgrün wurde in den 1950er-Jahren zur Farbe von Küchen, Autos und Kleidern – hell, optimistisch, modern.
Der Name kommt von der Pfefferminze, obwohl die Pflanze selbst dunkler ist.
Anthrazit – Die Kohle im Namen
Anthrazit ist die hochwertigste Steinkohle – fast reiner Kohlenstoff mit mattem Glanz. Die Farbe trägt ihren Namen.
Als Textilton liegt Anthrazit zwischen Grau und Schwarz und wirkt weicher als reines Schwarz.
Flaschengrün – Das Grün im Glas
Altes Flaschenglas ist grün, weil das Eisen im Sand beim Schmelzen die Farbe gibt – entfärbtes Glas war aufwendig und teuer.
Flaschengrün ist deshalb ein Ton, den jeder kannte, lange bevor er auf Stoff kam.
Pink – Shocking Pink
Das englische „pink“ bezeichnete zuerst Nelken mit gezacktem Rand – ihre Farbe gab dem Ton den Namen.
1937 machte die Designerin Elsa Schiaparelli mit „Shocking Pink“ einen grellen Magentaton zur Modefarbe.
Lachs – Von der Flussfarbe
Lachs ist nach dem rosa-orangen Fleisch des Fisches benannt – ein Ton, den Carotinoide aus der Nahrung des Lachses erzeugen.
In der Mode taucht Lachs seit dem 19. Jahrhundert als weicher Sommerton auf.
Flieder – Der Strauch aus dem Osmanischen Reich
Der Flieder kam im 16. Jahrhundert über Konstantinopel nach Wien und von dort in die Gärten Europas.
Seine Blüten gaben dem zarten Violett den Namen – als Farbstoff selbst taugen sie nicht.
Coral – Das Rot aus dem Meer
Edelkoralle wurde im Mittelmeer seit der Antike zu Schmuck verarbeitet – ihr orangerotes Rot war ein Luxusgut.
Als Modefarbe verbindet Coral das Warme von Orange mit dem Weichen von Rosa.
Olive – Die Frucht des Mittelmeers
Olive ist nach der reifenden Frucht benannt – ein gedämpftes Gelbgrün, das zwischen Erde und Pflanze liegt.
Militär und Workwear machten Olive im 20. Jahrhundert zur Alltagsfarbe.